Psychodrama
Das Psychodrama geht auf J.L. Moreno zurück, der diese Therapieform aus spontanen Rollenspielen von Kindern abgeleitet hat.
Es wird als Gruppentherapie, aber auch als Einzeltherapie angewandt.
Üblicherweise beinhaltet eine Psychodramagruppe acht bis zwölf Teilnehmer, den Leiter und einen Co-Therapeuten.
Das Wesen des Psychodramas besteht darin, daß Konflikte und Problemsituationen mit Hilfe des Therapeuten und der anderen Gruppenteilnehmer in Handlungen umgesetzt werden, durchgespielt und anschließend besprochen werden.
Das Psychodrama verläuft in drei Phasen:
1) Erwärmungsphase
Dauer: 30 - 45 Minuten
Die Gruppenmitglieder sollen Erwartungsängste abbauen und sich gegenseitig kennenlernen. Dabei wird das Konflikt- und Erlebnismaterial gesammelt, welches später als Grundlage für das Rollenspiel verwendet wird.
Der Psychodramaleiter wendet dazu bestimmte Techniken an:
“Blitzlicht”: Jeder Gruppenteilnehmer teilt den anderen mit, was er gerade im Moment fühlt, wahrnimmt und tun möchte.
“Identifikation mit einem Teil”: Die Gruppenteilnehmer sollen sich in einen Gegenstand, Körperteil oder in ein Kleidungsstück hineinversetzen und in der Ich-Form sagen, was ihnen spontan zu diesem Gegenstand einfällt.
”Indirekte Vorstellung”: Die Gruppenteilnehmer gehen in Paaren zusammen und tauschen gegenseitig Informationen über sich selbst aus. Danach stellt der eine den anderen der gesamten Gruppe vor.
2) Spielphase
Dauer: 50 - 90 Minuten
Das gesammelte Konfliktmaterial wird im Rollenspiel aufgearbeitet, dadurch werden emotionale Erfahrungen gewonnen.
Wiederum werden hier verschiedene Psychodramatechniken angewendet.
Einige Beispiele:
”Doppeln”: Der Psychodramaleiter oder ein erfahrenes Gruppenmitglied steht hinter dem Protagonisten, fühlt sich in seine Person ein und spricht in der Ich-Form aus, was den Protagonisten gerade bewegen könnte.
”Spiegeln”: Ein Gruppenmitglied ahmt den Protagonisten möglichst genau nach, wodurch dieser zur Selbsterkenntnis geführt wird.
”Rollentausch”: Der Protagonist nimmt in dieser Technik die Rolle eines anderen ein; er denkt, fühlt, spricht und handelt so, wie es diese andere Person tun würde.
3) Integrationsphase
Dauer: 30 - 45 Minuten
Rationale Einsichten werden nach Beendigung der Spielphase durch Techniken des ”Sharings” und ”Feedbacks” gewonnen.
Im Sharing zeigen die Gruppenteilnehmer ihre gefühlsmäßige Anteilnahme am Protagonistenspiel.
Im Feedback berichten die Gruppenteilnehmer und die Protagonisten über ihre Gefühle, die sie während des Rollenspiels empfunden haben. Wichtig dabei ist, daß das Feedback konkret, klar, korrekt und beschreibend ist.